in ärmlichen verhältnissen aufgewachsen und durch zahlreiche ereignisse, wie dem frühen krebstod ihrer mutter im altern von nur 45 jahren, dem ende ihrer jungen ehe sowie zahlreichen affairen und drogenexperimenten, aus der bahn geworfen, erkennt cheryl strayed, dass sie ihr leben ändern muss.
auf der suche nach sich selbst, beschließt sie, rund 1.000 meilen auf dem pacific crest trail, einem 4.284 km langen wildnispfad der sich von der kanadischen bis zur mexikanischen grenze erstreckt, zu wandern (in europa würde man vermutlich den jakobsweg wählen).
vollkommen trekking-unerfahren und mit wenig vorbereitung stürzt sich die 26jährige in dieses abenteuer. eine wanderung, die für eine allein gehende frau nicht ganz ungefährlich ist. aber cheryl trotzt mutig klapperschlangen, bären und aufdringlichen männern und kämpft sich trotz kaputter füße, eines viel zu schweren rucksacks und chronischen geldmangels bis an ihr ziel.
Das Modoc Plateau war anders als die Mojave-Wüste, aber ich fühlte mich nicht anders. Beide waren reich an gezackten Wüstenpflanzen, aber auch unwirtlich und menschenfeindlich. Kleine graue und braune Eidechsen huschten über den Pfad, wenn ich näher kam, oder verharrten auf ihrem Platz, wenn ich vorüberging. Wo bekamen sie Wasser her?, fragte ich mich und versuchte, nicht ständig daran zu denken, wie heiß es war und wie großen Durst ich hatte. Nach meiner Schätzung waren es noch knapp fünf Kilometer bis zu dem Wassertank. Ich hatte noch einen Viertelliter Wasser. Dann noch vier Schlucke. Noch drei Schlucke. Ich zwang mich, die letzten beiden Schlucke nicht zu trinken, bis der Wassertank in Sicht kam, und um halb fünf war es so weit: die Stelzenbeine des verbrannten Feuerwachturms auf einer Erhebung in der Ferne. Daneben ein Metalltank an einem Pfosten. Kaum hatte ich ihn entdeckt, griff ich zur Flasche und trank den letzten Rest Wasser, froh, dass ich in ein paar Minuten am Tank meinen Durst würde löschen können. Im Näherkommen sah ich, dass an dem Holzpfosten neben dem Tank etwas Weißes im Wind flatterte. Mehrere Stofffetzen, dachte ich zuerst, dann ein zerrissenes Tuch. Erst aus nächster Nähe erkannte ich, dass es kleine Zettel waren, die mit Klebeband an dem Pfosten befestigt waren und sich im Wind bewegten. Ich taumelte näher, um sie zu lesen, aber noch bevor ich bei ihnen war, wusste ich, was darauf stand. Auf allen stand etwas anderes, aber die Botschaft war immer dieselbe: KEIN WASSER.
Einen Moment lang stand ich reglos da, wie gelähmt vor Schreck. Ich spähte in den Tank, um mich davon zu vergewissern, dass es stimmte. Da war kein Wasser. Ich hatte kein Wasser. Nicht einen Schluck. Kein Wasser, kein Wasser, kein Wasser.
ein wirklich spannendes reiseerlebnis, das lust macht, auch mal etwas zu riskieren, an seine grenzen zu gehen und sich selbst dabei völlig neu kennenzulernen. unbedingt lesen!
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